Grosse Frühjahrsauktion, 17. Mai 2003
Folgender Artikel erschien am 7. Juni in der Zeitung "Die Welt":
Rund 60 Prozent der Ware verkauft und rund 750.000 Euro umgesetzt - Mit Blick auf die Zahlen sah das Ergebnis der Frühjahrsauktion am 17. Mai wieder recht gut aus. Zumal für einen sehr seltenen anatolischen Karapinar aus dem Konya des 17. Jahrhunderts mit 66 000 (35 000) Euro und für einen mit ungewöhnlich großen Palmetten und Rosetten übersäten indischen Agra mit 55 000 (60 000) Euro zweimal Preise über 50 000 Euro bewilligt wurden.
Und doch war Auktionator Detlef Maltzahn nicht ganz zufrieden. Weniger die Ergebnisse als das Publikum machten ihm Sorgen. "Langsam kommen wir bei Null an", sagte er mit Blick auf die magere Beteiligung von privater Seite im Saal. Zwar war der Raum auch diesmal wieder gut gefüllt. Doch selten regten sich Hände von Sammlern. Die mit Abstand meisten Zuschläge erhielten Händler. So gingen der Karapinar etwa nach Paris, der Agra nach Norditalien. Von den bedeutenden Zuschlägen waren für Sammler lediglich die je 38 000 Euro für einen kunsthistorisch bedeutsamen frühen Pin-wheel aus der Zeit um 1700 sowie für einen 100 Jahre älteren "Transsylvaner" aus der Region Melas in Anatolien zu verzeichnen. "Vor allem in Deutschland macht sich die allgemeine schlechte Stimmung nun auf diesem Markt bemerkbar", sagt Maltzahn. So fehlten unter den Käufern weniger die internationalen Großsammler aus Italien, Frankreich, England, Österreich, den USA und bedingt sogar aus Deutschland. "Diese meist aus Unternehmer- und Industriellenkreisen stammenden Kunden wissen, dass man gerade in krisenhaften Zeiten vorteilhaft einkaufen kann". Weniger zupackend sei hingegen eine breite einheimische Schicht von Ärzten, Rechtsanwälten, Lehrern oder höheren Verwaltungsangestellten, welche derzeit dem Treiben eher unbeteiligt zusehen. Und unter den älteren Kunden scheine im Augenblick auch eher ein Beobachten und vereinzeltes Verkaufen angesagt zu sein, da deren künftige Erben derzeit wenig Interesse an alten und antiken Teppichen hätten.
Immerhin gab es noch eine Reihe guter Zuschläge für recht hochwertige Kaukasier und Turkmenen, welche in Deutschland ohnehin meistens eine sichere Bank zu sein scheinen.
Stolze 32 000 (14 000) Euro etwa gab ein englischer Händler für einen allerdings auch sehr ungewöhnlichen Kuba aus dem 19. Jahrhundert aus, welcher durch sein seltenes Muster mit scheibenförmigen Blüten und den rot-blauen Farben glänzte.
Für eine Seidenstickerei aus Baku zahlte ein italienischer Händler 24 000 (11 500) Euro. Ein Saryk Engsi des 17. oder 18. Jahrhunderts aus Westturkestan brachte 23 000 (26 000) Euro - wieder von einem Händler.
Eine der nachhaltigsten Steigerungen zum Schätzpreis bewilligte übrigens ebenfalls der englische Handel für einen chinesischen Ning Hsia des 18. Jahrhunderts, der von 1500 auf 9000 Euro stieg.
Der allgemeinen Zurückhaltung fiel allerdings so manches vorher hoch gehandelte oder angepriesene Stück zum Opfer. Dies galt vor allem für einen ausgerechnet mit Nummer 100 "ins Rennen" gegangenen Heriz aus Nordwestpersien, der auf 65 000 Euro geschätzt war und keinen Käufer fand. Für italienische Augen war er wohl einfach zu dominant. Für die sonst in Frage kommenden Amerikaner scheint im Moment ebenfalls Zurückhaltung vorzuherrschen. Ein ähnliches Schicksal erlitten viele Fragmente und vor allem auch weniger gut erhaltene Teppiche. Gerade solche Stücke sind es oft, für die sich Sammler interessieren. Oder die Händler für Sammler kaufen.
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