Grosse Herbstauktion am 16. November 2002

Herbstauktion bei Rippon Boswell in Wiesbaden mit drei Rekordpreisen

Wie von der Fachpresse prophezeit und von Sammlern befürchtet, avancierten die beiden Yomud-Asmalyks, die Losnummern 88 und 89 im Katalog, zu den Stars der Herbstauktion bei Rippon Boswell am 16. November 2002 in Wiesbaden. Seit 1979 und 1980 in Frankfurter Privatbesitz, kamen diese äußerst seltenen Sammlerstücke nur wegen eines Todesfalles wieder auf den Markt. Interessenten aus Europa und den USA, selbst aus Singapur und Toronto, hatten sich, durch die moderaten Schätzungen angezogen, in Wiesbaden eingefunden, in der Hoffnung, diese einzigartige Erwerbschance zu nutzen. Beide Schmuckbehänge wurden mit 20.000 Euro aufgerufen und stiegen steil in die Höhe.
Ein deutscher Sammler konnte sich schließlich gegen vier Telefone und hartnäckige Saalkonkurrenz durchsetzen: er sicherte sich die Stücke für 105.600 Euro (# 88) und für 132.000 Euro (# 89), das letztere ist ein neuer Rekord.
Der bisherige Auktions-Höchstpreis für einen Asmalyk lag bei 236.000 DM, die ein Exemplar des Saryk-Stammes im Herbst 1990 in den selben Räumen gebracht hatte.

Den zweithöchsten Zuschlag des Tages, mit 112.800 Euro ebenfalls ein Rekord, bezahlte ein führender italienischer Galerist für den großformatigen, elfenbeingrundigen Serapi (# 101), ein künstlerisches Exemplar mit geheimnisvoll verschlüsselten, abstrahierten Tierformen.
In gewisser Weise noch spektakulärer waren aber die 33.600 Euro, die ein deutscher Sammler kurz darauf gegen sehr starke Saalbieter aus Kalifornien für eine Schahsavan-Tasche mit "Arrow"-Gül in Sumakh-Technik (# 128) bewilligte: dieser Preis liegt deutlich über den 46.800 DM für das im Oktober 1999 bei Rippon Boswell versteigerte Exemplar desselben Typus' aus der Sammlung "Orient Stars".
Auch andere kleinformatige Arbeiten schnitten bemerkenswert gut ab: Los 33, eine Sumakh-Taschenfront, nur 47 x 46 cm klein, brachte 8.160 Euro, die Hälfte einer Gaschgai-Khordjin (# 70) sogar 13.200 Euro, und die aus feinster Wolle und Seide geknüpfte Taschenfront des Gaschgai-Stammes Los 109 wurde für 10.200 Euro verkauft. Eine exquisite Khamseh-Doppeltasche (# 112) mit Hühnermotiven und prächtigen Streifenkelims, wohl immer ein Repräsentationsstück, deshalb perfekt erhalten, fand für 14.400 Euro ein neues Zuhause in Chicago. Die hohen Preise sind allerdings nicht auf eine plötzlich ausgebrochene Marktbelebung zurückzuführen, sondern auf die außergewöhnliche Qualität der angebotenen Stücke - gut informierte Sammler nutzten hier die Gunst der Stunde.

Lebhafte Nachfrage herrschte wie immer nach antiken Teppichen und Kelims aus Anatolien. Eine Kirsehir- Gebetsbrücke (# 50) ging für 10.800 Euro in den italienischen Handel, desgleichen der transsylvanischen Vorbildern nachempfundene Dazgiri Los 119, der 15.600 Euro brachte.
Zwei in die Zeit vor 1800 datierte, sehr gegensätzliche Kelims illustrierten die Bandbreite anatolischer Flachgewebe zwischen Nomadenarbeiten und städtischer Webkunst. Ein Reihengebetskelim aus der Region Konya (# 56), war mit 24.000 Euro eine preiswerte Erwerbung für einen deutschen Sammler (ein Fragment dieser Gattung war 1997 in der Kailash-Auktion in Wiesbaden für 132.000 DM verkauft worden). Auch der osmanische Nischenkelim # 61, dessen zurückhaltene Eleganz viele Besucher der Vorbesichtigung faszinierte, war mit 25.200 Euro nicht teuer.

Gegen Ende der Versteigerung sorgte das Los 148, ein einzigartiger Khotan, dessen zweifarbiges Feld für Diskussionsstoff gesorgt hatte, für viel Gemurmel im Saal, als er seinen Schätzpreis von 9.500 Euro weit hinter sich ließ und an einen, wie es schien, zu allem entschlossenen Telefonbieter für 60.000 Euro ging.

Trotz unüberhörbarer Kassandrarufe vor der Auktion und der für den Kunsthandel extrem schädlichen Ankündigung durch die neue Bundesregierung, daß zukünftig auch Gewinne aus Sammlungsverkäufen einer Zwangsabgabe unterworfen werden sollen, verlief die Versteigerung erfolgreich. Hauptgrund dafür waren die Qualität und die Seltenheit der Spitzenobjekte. Etwa 60 % des Angebotes wurden abgesetzt, wenig gefragt waren lediglich kaukasische und persische Teppiche der mittleren Kategorie. Allerdings ist unübersehbar, daß viele hohe Zuschläge, von signifikanten Ausnahmen abgesehen, ausländischen Bietern erteilt wurden, die wieder in großer Zahl im Saal anwesend waren oder telefonisch teilnahmen. Das deutsche Publikum übte sich meistens in Zurückhaltung, offensichtlich eine Folge der allgemeinen Verdrossenheit hierzulande.

(Stand: 27. November 2002. Alle Preise inklusive des Aufgeldes von 20 %, aber ohne Mehrwertsteuer. Verantwortlich für den Inhalt: Detlef Maltzahn)

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