Große Herbstauktion am 20. November 2004

Mit einer Verkaufsquote von 68 Prozent (155 der 229 Lose wurden abgesetzt) und einer Zuschlagssumme von knapp einer Million Euro war die Große Herbstauktion ein sehr zufriedenstellender Erfolg, gerade auch in allgemein schwierigen Marktumständen.

Als Teil 1 wurden 91 ausgewählte Stücke aus der Privatsammlung von Horst und Eva Engelhardt aufgerufen. Die Firma Teppich-Engelhardt in Mannheim, nun schon seit einigen Jahren geschlossen, war einst das größte deutsche Teppichhaus, dessen jährliche Ausstellungen mit wichtigen Sammlerstücken, meistens aufwendig in Buchform katalogisiert, internationale Beachtung fanden. Quasi im diachronischen Schnitt spiegelt die Privatsammlung des Ehepaars Engelhardt diese langjährige Ausstellungstätigkeit wider. Die Versteigerung diente einem wohltätigen Zweck, denn der Erlös kommt zu 100 Prozent der Engelhardt-Stiftung zugute, die sich an der Finanzierung verschiedener karitativer Projekte maßgeblich beteiligt. - Alle 91 Lose waren im Auktionskatalog farbig abgebildet. Die Sorge mancher Marktbeobachter, daß die Konzentration der nicht mehr so populären persischen Teppiche, die mit 40 Losen das Hauptkontingent ausmachten, den Gesamterfolg gefährden könnte, erwies sich als unbegründet: die meisten Stücke wurden verkauft, allerdings oft zu moderaten Zuschlagspreisen, was aufgrund sehr realistischer Limite möglich war. Die chinesischen Arbeiten, ein weiterer Schwerpunkt der Sammlung, wurden lebhaft beboten und bis auf wenige Ausnahmen zu guten Preisen abgesetzt. Der außergewöhnliche Peking mit rätselhafter Ornamentik (Los 35) wurde einem Telefonbieter für 26.000 Euro zugeschlagen, und der große Drachenteppich (Los 67) ging für 12.000 Euro an einen Saalbieter. Wie vorausgesehen, schnitten die kaukasischen Stücke vergleichsweise am besten ab. Die prächtige Marasali Satteldecke in Sumakhtechnik (Los 3) war einem US-Sammler 9.000 Euro wert. Der Lesghi-Gebetsteppich (Los 21) ging für 10.000 Euro an einen engagierten Privatsammler in Italien. Den sehr alten und seltenen Talisch (Los 26), aufgerufen mit 6.000 Euro, sicherte sich ein Sammler aus New York für 21.000 Euro. Und der kleine, gelbgrundige Kuba (Los 65) brachte mit 12.000 Euro Zuschlag das Doppelte der Taxe.
Insgesamt konnten 74 der 91 Engelhardt-Stücke fest zugeschlagen werden, eine Quote von 81 Prozent.

Der zweite Teil des Nachmittags lief zunächst schleppend an. Offenbar erwartete das Saalpublikum ähnlich niedrige Limite wie im ersten Teil. Als klar wurde, daß das nicht der Fall war, stabilisierte sich die Auktion. Allerdings konnte eine Gruppe früher Teppiche und Fragmente aus Anatolien, eingeliefert aus einer amerikanischen Quelle, die hohen Erwartungen nicht erfüllen: die meisten Stücke blieben auf der Strecke. Dies lag offenbar nicht nur an den Schätzwerten, sondern auch daran, daß sich einige bekannte Sammler und Händler im Augenblick nicht in diesem frühe so prestigeträchtigen Marktsegment beteiligen. Der bedeutendste Anatolier der Auktion (Los 185), ein um 1600 im Raum Konya geknüpfter Dorfteppich, wurde im Nachverkauf für 120.000 Euro von einem Sammler übernommen.
Für gute Resultate sorgten, wir fast immer bei Rippon Boswell, wieder einige seltene Turkmenen: der Saryk Türteppich (Los 156), mit 4.500 Euro niedrig angesetzt, brachte 17.000 Euro; der extrem seltene Salor Kapunnuk (Los 169) - erst acht Behänge dieser Gattung sind bislang publiziert worden - erzielte 20.000 Euro, und die nächste Nummer (Los 170), ein bedeutender Salor Tschowal, stieg auf 28.000 Euro. Den Tekke Hauptteppich mit weißer Bordüre (Los 181) sicherte sich ein bekannter deutscher Sammler für 32.000 Euro.

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