Sprachauswahl
Sprache

Grosse Herbstauktion

Samstag 29. November 2014 um 15 Uhr

263 Lots

Unsere Herbstauktion 2014

Der Kunstmarkt befindet sich wegen des Generationenwechsels in einer Umschichtungsphase. Viele über Jahrzehnte zusammengetragene Sammlungen werden jetzt aufgelöst. Das gilt in besonderem Maße auch für Teppichantiquitäten. Oft haben die Erben keine Beziehung zu den von ihren Eltern oder Großeltern gesammelten Orientteppichen und möchten sie veräußern. Häufig lassen erfahrene, ältere Sammler ihre Schätze schon zu Lebzeiten versteigern, um selbst noch Einfluß auf das Geschehen zu nehmen. So fließen sehr gute Objekte wieder in den Markt zurück. Unsere Herbstaktion bietet dafür zahlreiche Beispiele.

Die Mehrzahl der fünfzehn Susanis in unserer Auktion A 85 wurde aus England eingeliefert. Der Sammler hat sie bei führenden Händlern erworben und verkauft nun aus Altersgründen. - Eine alte Dame aus Norditalien, die viele Jahre gesammelt hat, lieferte uns fünfundvierzig Teppiche und Textilien ein, mit der Maßgabe sehr moderater Schätzpreise, damit möglichst alle ihre Stücke neue Besitzer finden. Bei dieser Sammlung ist die Provenienz angegeben (Sammlung Signora Gallo). – Die meisten der anatolischen Kelims kommen aus zwei Privatsammlungen. Ein Pfälzer Fabrikant hat sich dreißig Jahre lang sehr aktiv mit Kelims beschäftigt, aber seine Kinder verfolgen andere Interessen. Ein Schweizer Architekt entdeckte seine Liebe zu anatolischen Kelims während langjähriger Aufenthalte in den Ländern des Orients. Als einer der besten Kenner islamischer Architektur, hat er im Auftrag der Aga Khan Foundation islamische Altstädte restauriert und kam dabei mit orientalischen Textilien in enge Berührung. - Rippon Boswell konnte seit der Neugründung 1987 viele seltene und wertvolle, turkmenische Teppiche erfolgreich versteigern. Ein besonderes Highlight ist diesmal der Adler Gruppe I Teppich mit Streifenmuster, der uns aus den USA eingeliefert wurde.

Das Auktionsangebot umfaßt auch einige europäische Arbeiten. Die fünf in Tapisserie-Technik gewebten Kissenbezüge aus der Epoche der Spät-Renaissance, entstanden in den norddeutschen Ateliers niederländischer Auswanderer, sind echte Trouvaillen. Der englische Einlieferer erwarb sie vor langer Zeit bei der berühmten Firma C. John in London. Wir freuen uns darüber, zwei moderne französische Bildteppiche anbieten zu können. Der um 1950 in Tapisserie-Technik gewebte Aubusson-Teppich „Le Tarasque“ beruht auf einem Entwurf von Jean Lurçat. Der Picasso-Teppich „Le Vase“ ist 1960 im Pariser Atelier von Marie Cutolli nach dem Originalentwurf von Pablo Picasso geknüpft worden.

 
Ganzes Vorwort einblenden
    • Lot1
    • HerkunftSüdosteuropa, Mazedonien
    • Abmessungendiverse
    • Alter2. H. 19. Jh.
    • Schätzpreis EUR1.450
    Yastik ist das türkische Wort für geknüpfte oder flachgewebte Kissen. Diese drei Kissenvorderseiten (die Rückseiten sind nicht erhalten) gehören zur Monastir-Gruppe und entstanden in Mazedonien. Sie stimmen in Bezug auf Farben und Technik weitgehend überein, gearbeitet als Schlitzkelims mit schmalen, broschierten Trennleisten. Exemplar A hat ein offenflächiges, sandfarbenes Innenfeld, mit roten, seitlichen Bahnen, die mit großen Rauten besetzt sind. Die beiden anderen Exemplare zeigen Feldmuster aus Querstreifen. Die Elems sind ein typisches Merkmal der Monastir-Yastiks. - Die türkische Volksgruppe, bei der diese drei Stücke im 19. Jahrhundert gewebt wurden, lebte seit langem in Mazedonien, wurde aber 1923, nach dem Ende des griechisch-türkischen Krieges, gezwungen, im Zuge eines großen Umsiedlungsprogrammes nach Anatolien auszuwandern.- Guter Zustand.

    Vergleich:
    PLÖTZE, KARL-MICHAEL, Welt der Kelims. Barsinghausen 2001, Nr. 48 und 48 a *** WILLBORG, PETER, & ALBERTSON, INGEMAR, Woven Magic. A Book About Kilims. Stockholm 1992, Nrn. 7 und 8

    • Lot2
    • HerkunftSüdkaukasus, Azerbaidschan
    • Abmessungen115 x 45 cm
    • Alter2. H. 19. Jh.
    • Schätzpreis EUR950
    Vollständige Doppeltasche der Azeri, die Vorderseiten und der Verbindungssteg mit einem Muster aus versetzten Rauten, gearbeitet in Broschier-Technik, Rückseite mit roten, braunen und blauen Querstreifen. - Guter Zustand.
    • Lot3
    • HerkunftZentralanatolien
    • Abmessungen155 x 105 cm
    • AlterMitte 19. Jh.
    • Schätzpreis EUR1.500
    Ein seltener Gebetsteppich aus Sivas mit einer gebietstypischen Bordüre aus sechs schmalen Streifen, die Blütenranken und Amulette enthalten. Im grünen Innenfeld eine cochenillerote, im Giebelbereich steil getreppte Mihrabform, die innen mit blauen Doppelhaken besetzt ist, darin drei Hakenrauten. - Unterer Abschluß restauriert, einige nachgeknüpfte Stellen. Provenienz: Sammlung Signora Gallo
    • Lot4
    • HerkunftZentralasien, Ostturkestan
    • Abmessungen353 x 190 cm
    • Alter2. H. 19. Jh.
    • Schätzpreis EUR1.400
    Großer, blaugrundiger Khotan vom Drei-Medaillon-Typus mit sehr breiter Bordüre aus vier Bahnen. Der hohe Anteil violettroter Partien, die teils verblaßt sind, gibt einen Datierungshinweis. - Leichte Alters- und Gebrauchsspuren, stellenweise Mottenschäden und Braunkorrosion. Provenienz: Sammlung Signora Gallo

    Vergleich:
    COHEN, GUISEPPE, Il Fascino del Tappeto Orientale. Mailand 1968, Tf. CIII

    • Lot5
    • HerkunftOstkaukasus, Region Kuba
    • Abmessungen160 x 121 cm
    • AlterEnde 19. Jh.
    • Schätzpreis EUR2.800
    Blaugrundiger Perepedil mit breiter Bordürenzone, im schmalen Innenfeld das provenienztypische Muster mit Wurma-Ornamenten. - Beide Enden minimal reduziert, sonst guter Zustand.
    • Lot6
    • HerkunftWestchina
    • Abmessungen261 x 148 cm
    • Alterfrühes 19. Jh.
    • Schätzpreis EUR1.700
    Vermutlich entstand dieser Seidenteppich im Kang-Format in einer der Werkstätten im westchinesischen Gansu, einer Provinz im äußersten Norden des Reiches, die an Singkiang (Ostturkestan) grenzt. Der ursprünglich ockergelbe Feldgrund ist vollständig korrodiert. Dem symmetrisch konzipierten Grundmuster aus Blüten und Blättern ist ein kastenförmiges Zentralmedaillon, in dem ein Drache in Frontalansicht dargestellt ist, aufgelegt. - Deutliche Alters- und Gebrauchsspuren, alte Nachknüpfungen. Provenienz: Sammlung Signora Gallo
    • Lot7
    • HerkunftZentralkaukasus
    • Abmessungen190 x 135
    • Alter2. H. 19. Jh.
    • Schätzpreis EUR1.700
    Sehr grob geknüpft, mit vielen Schüssen zwischen den Knotenreihen, und archaisch wirkendem Muster aus wenigen, großen Formen war dieser hochflorige Teppich aus der Region Zakatale, die im äußersten Norden des heutigen Azerbaidschan liegt, vermutlich eine Schlafunterlage (Yatak). - Ringsum Originalabschlüsse, am unteren Ende etwas schadhaft und dort mit Stoff gesichert. Einige Risse, kleine Löcher und Reparaturen. Provenienz: Sammlung Signora Gallo
    • Lot8
    • HerkunftNordostkaukasus, Dagestan
    • Abmessungen190 x 105 cm
    • AlterEnde 19. Jh.
    • Schätzpreis EUR1.300
    Im schmalen, nachtblauen Feld vier Lesghi-Balkensterne, eingebettet in eine Fülle kleinerer Ornamente. Breite Bordürenzone mit Sternblüten in der weißgrundigen Hauptbordüre. - Beide Enden minimal reduziert, Seiten neu umwickelt. Insgesamt gut erhalten. Provenienz: Sammlung Signora Gallo
    • Lot9
    • HerkunftOstkaukasus
    • Abmessungen295 x 130 cm
    • AlterEnde 19. Jh.
    • Schätzpreis EUR1.400
    Auf der Mittelachse des weinroten Feldes acht kleine Lesghi-Balkensterne, symmetrisch darum verteilt sterngefüllte Oktogone, Blüten und weiße Fabeltiere im Stil der Perepedil-Teppiche. In der braungrundigen Hauptbordüre ein weißes Kufi-Rankenornament. - Einige kleine, nachgeknüpfte Stellen, insgesamt guter Zustand. Provenienz: Sammlung Signora Gallo
    • Lot10
    • HerkunftSüdkaukasus, Azerbaidschan
    • Abmessungen204 x 167 cm
    • AlterEnde 19. Jh.
    • Schätzpreis EUR1.300
    An einem Stück gewebter Kelim mit Horizontalstreifen-Muster, vermutlich eine Arbeit der Azeri-Volksgruppe. - Sehr guter Zustand, an beiden Enden sind die langen Zöpfe der abgeflochtenen Kettfäden erhalten. Provenienz: Sammlung Signora Gallo