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VOK COLLECTION, Selection II

Samstag 12. März 2016 um 15 Uhr

88 Lots
    • Lot89
    • HerkunftZentralasien, Nordost-Usbekistan
    • Abmessungen252 x 175 cm
    • Alterum 1900
    • Schätzpreis EUR3.700 - 4.500
    Sammlung VOK, Suzani 1, 5

    Die ungewöhnliche Susani, so ist zu vermuten, stammt aus dem Fergana-Tal. Kalter bezeichnet ein hinsichtlich Musterung und Stil vergleichbares Exemplar als "Samarkand", während Taube in seiner Beschreibung dieser Vok-Susani, unter Verweis auf russische Quellen, als Entstehungsgebiet entweder die Region östlich von Samarkand oder das westliche Fergana-Tal annimmt. - Die Susani ist nur in zwei Farben ausgeführt. Das feine, rotviolette Grundgewebe aus drei breiten Bahnen ist ein maschinell hergestellter Baumwollstoff, der wahrscheinlich aus Rußland importiert wurde, was einen wichtigen Datierungshinweis liefert. Die aufgestickten, weißen Motive sind nicht mit Seidenfäden, sondern auch in Baumwolle gearbeitet. Zwölf große, fächerförmige Kreisblüten, angeordnet in parallelen Reihen, füllen das Innenfeld so dicht aneinandergereiht, daß sie die Seitenränder berühren. Die Zentren der Blüten bestehen aus konzentrischen Ringen um einen Blütenstengel. Ihre langen, wie Federn aussehende Blätter sind leicht geschwungen gezeichnet, als würden sie vom Wind bewegt. Vielleicht sind hier Sonnenblumen dargestellt. Dazwischen stehen kleine Kreisblüten, deren Stil an Lakai- oder kirgisische Stickereien erinnert. In der schmalen Bordüre sind zierliche, von zwei Blättern lyraförmig eingefaßte Blüten aufgereiht. - Guter Zustand, mit Leinwand hinterlegt.

    Vergleich:
    KALTER, JOHANNES, Aus Steppe und Oase. Bilder turkestanischer Kulturen. Stuttgart & London 1983 (Ausstellungskatalog Linden-Museum), Abb. 57, S. 76

    Veröffentlicht:
    VOK, IGNAZIO, Vok Collection. Suzani. Eine textile Kunst aus Zentralasien. (Text: Jakob Taube) München 1994, Nr. 5

    • Lot90
    • HerkunftZentralasien, Nordost-Usbekistan
    • Abmessungen240 x 172 cm
    • AlterMitte 19. Jh.
    • Schätzpreis EUR2.500 - 3.000
    Sammlung VOK, Suzani 2, 55

    Taschkent, heute die Hauptstadt der Republik Usbekistan, war Mitte des 19. Jahrhunderts noch der nördliche Außenposten des Khanats Kokand. Im Jahre 1865 wurde die Stadt von zaristischen Truppen erobert. Zwei recht unterschiedliche Typen von Susanis sind uns aus Taschkent bekannt. Bei den Susanis mit "Paliak" (Mond)-Muster bedecken große, rote Kreisblüten die gesamte Fläche. Bei dem anderen, "Gulkurpa" (Blumendecke) genannten Typus, den diese Vok-Susani repräsentiert, besteht das Feldmuster aus großen Kreisblüten und einigen, darum verteilten, kleinen Ornamenten. Weite Flächen des weißen Grundes bleiben musterfrei. - Hier liegt im Feldzentrum eine große, rotviolette Kreisblüte, die radial von acht gleichfarbigen, herzförmigen Palmetten umrahmt und dadurch zu einem Sternmotiv wird. Vier rotviolette Kreisblüten, umrundet von grünen Laubkränzen, betonen die Feldecken. Ergänzt wird das Primärmuster durch zwei schlanke Rispen, zwei Amulette und zwei Botehs. Die vierzehn diagonal gestellten Zweige in der Hauptbordüre sind mit großem Abstand zueinander angeordnet. Es fällt auf, daß die äußere Nebenborte überwiegend ohne Begrenzungslinien ausgeführt wurde. - Kleine Fehlstellen, Alters- und Gebrauchsspuren, Flecken. Mit Stoff hinterlegt.

    Vergleich:
    TSCHEPELEWEZKAJA, G.L. & SUCHAREWA, O.A., Susani Usbekistans. Ein Beitrag zur Technik, Ornamentik und Symbolik der usbekischen Seidenstickereien. Hamburg 1991, Farbtafel III, 1 *** KALTER, JOHANNES & PALALOI, MARGARETA, Usbekistan. Erben der Seidenstraße. Stuttgart 1995, Nr. 550 *** HASSON, RACHEL, Flowering Gardens Along the Silk Road. Embroidered Textiles from Uzbekistan. Jerusalem 2001, Tf. S. 3

    Veröffentlicht:
    VOK, IGNAZIO, Vok Collection. Suzani 2. Eine textile Kunst aus Zentralasien. (Text: Jakob Taube). München 2006, Nr. 55

    • Lot91
    • HerkunftOstkaukasus
    • Abmessungen275 x 140 cm
    • AlterMitte 19. Jh.
    • Schätzpreis EUR9.000 - 12.000
    Sammlung VOK, Caucasus - Persia 11

    Ein dichter Rapport aus großen, flächigen, in versetzten Horizontalreihen angeordneten Schildpalmetten in leuchtenden Farben bedeckt das tief dunkelblaue Feld dieses fein gewebten Kuba-Kelims. Durch die verschieden farbigen, getreppten oder gezackten, Konturen formiert sich deren bewegter Umriß auf der Fläche zu einer dynamischen Bewegung. Im Zentrum der Palmette liegt eine Raute mit zwei langen, vertikalen Spitzen. Das Palmettenmuster geht auf persische Vorbilder zurück und wurde auf charakteristische Weise in den geometrischen Stil kaukasischer Flachgewebe übersetzt. Im Gegensatz zur Ornamentfülle vergleichbarer Kuba-Kelims dominieren hier die musterfreien Farbflächen, was diesem Exemplar den Ausdruck von Klarheit, Ruhe und kraftvoller Tiefe verleiht. In der schmalen, weißgrundigen Bordüre stehen seltene Kamm-Motive, deren diagonale Seiten alternierend nach innen und außen weisen. Es sind vielleicht Vogelabstraktionen. Nur zwei Kelims dieser Spezies wurden bisher veröffentlicht, beide von Herrmann. Vok erwarb das 1985 publizierte Exemplar mit blauer Grundfarbe. Der 1992 publizierte, rotgrundige Kuba-Kelim befand sich früher in der Sammlung Dominguez, Kalifornien. - Minimale Alters- und Gebrauchsspuren, guter Zustand.

    Vergleich:
    HERRMANN, EBERHART, Asiatische Teppich- und Textilkunst 4. München 1992, Nr. 51

    Veröffentlicht:
    HERRMANN, EBERHART, Seltene Orientteppiche VII. München 1985, Nr. 19 *** VOK, IGNAZIO, Vok Collection. Caucasus-Persia. Gilim und andere Flachgewebe. (Text: Hamid Sadighi) München 1996, Nr. 11

    • Lot92
    • HerkunftOstkaukasus
    • Abmessungen311 x 151 cm
    • Alter2. H. 19. Jh.
    • Schätzpreis EUR4.500 - 5.500
    Sammlung VOK, Caucasus - Persia 12

    Acht große, schildförmige Kartuschen, angeordnet in zwei parallelen Reihen, füllen das ziegelrote Feld in der gesamten Länge. Ihre vertikalen Dreiecksspitzen berühren sich. Das dominierende Spinnenmotiv, radial von einer zentralen Raute ausgehend, mit langen Armen, die in Haken enden, und einer durch rote, gezahnte Konturen betonten, vertikalen Stange ist charakteristisch für diese Gruppe von Kuba-Kelims. Die vom Primärmuster freigelassenen Flächen sind im unteren Feldbereich mit kleineren Motiven gefüllt, im weiteren Verlauf mit Kastenformen. In der breiten, erdbraunen Bordüre stehen mächtige, aus stilisierten Palmetten und Rauten zusammengesetzte Ornamente. - Mehrere Vergleichsbeispiele finden sich in der einschlägigen Literatur (s.u.). Sie unterscheiden sich vom Vok-Exemplar durch ihre schmalen, einfach gezeichneten Bordüren aus kurzen Balken und durch eine teils deutlich höhere Anzahl von Kartuschen. Bei annähernd gleichen Abmessungen werden die Primärornamente der vergleichbaren Kelims mit zunehmender Anzahl immer kleiner. Mit nur acht Kartuschen wirkt der Vok-Kelim deshalb monumentaler als die angeführten Beispiele. - Leichte Alters- und Gebrauchsspuren, Braun stellenweise korrodiert, Enden minimal beschädigt. Insgesamt guter Zustand.

    Vergleich:
    PETSOPOULOS, YANNI, Der Kelim. Ein Handbuch. München 1980, Nr. 297 *** BLACK, DAVID & LOVELESS, CLIVE, The Undiscovered Kilim. London 1977, Tf. 34 *** HASSON, RACHEL, Caucasian Rugs. L.A. Mayer Memorial Institute for Islamic Studies. Jerusalem 1986, Nr. 49 *** BAUSBACK, PETER, Kelim. Antike orientalische Flachgewebe. Mannheim & München 1983, Tf. 97 *** RIPPON BOSWELL, Auktion FFM 24, 15. November 1986, # 144 *** HOUSEGO, JENNY, Nomaden-Teppiche. Eine Einführung in die Web- und Knüpfkunst der Stämme des Iran. Herford 1984, Nr. 19

    Veröffentlicht:
    VOK, IGNAZIO, Vok Collection. Caucasus-Persia. Gilim und andere Flachgewebe. (Text: Hamid Sadighi) München 1996, Nr. 12

    • Lot93
    • HerkunftZentralanatolien, Region Konya
    • Abmessungen253 x 139 cm
    • Alter18. Jh.
    • Schätzpreis EUR12.000 - 15.000
    Sammlung VOK, Anatolia 28

    In horizontaler Ansicht sind hier auf weißem Untergrund drei, unverbundene Mihrabformen mit breiten Giebeldächern und Ampeln im Inneren wie frontale Ansichten von Moscheen mit pfeilerartigen, schlanken Minarette-Türmen als direktes frontales Bild konzipiert. Dieser kultische Kelim ist somit vom Typus her ein Reihengebetsteppich (türkisch: Saf). Daß er auch in dieser Funktion verwendet wurde, ist nicht wahrscheinlich. Hirsch schreibt, daß er solche Kelims in dem bei Karapinar gelegenen Dorf Divle, von wo vermutlich auch das Vok-Exemplar stammt, an den Wänden hängen sah. Dort werden noch heute Kelims mit diesem, offenbar seit Jahrhunderten kaum veränderten Muster gewebt, allerdings nicht in der ästhetischen Qualität der antiken Vorbilder. Der Vok-Kelim fällt durch seine besondere graphische und farbliche Schönheit auf. Die drei hervorragend gezeichneten Großformen sind in den schmalen Bordürenrahmen mit schwebender Leichtigkeit eingefügt. Die feinen vertikalen Linien, die sich wie Schraffuren durchs Innenfeld ziehen, sind ein charakteristisches Gestaltungsmerkmal der Gruppe. - Leichte Alters- und Gebrauchsspuren, Ecken und Endabschlüsse teils unvollständig. Auf Leinwand aufgenäht.

    Vergleich:
    FRAUENKNECHT, BERTRAM, Anatolische Kelims. Nürnberg 1982, Abb. 20 *** DERS., Frühe türkische Tapisserien. Nürnberg 1984, Nr. 42 *** HERRMANN, EBERHART, Asiatische Teppich- und Textilkunst 1. München 1989, Nr. 1 *** DAVIES, PETER, The Tribal Eye. Antique Kilims of Anatolia. New York 1993, Tf. 37 *** PLOIER, HELMUT, Gewebte Poesie. Frühe anatolische Kelims. Sammlung Konzett. Graz 1991, Nr. 77 *** ENDERLEIN, VOLKMAR, Orientalische Kelims. Flachgewebe aus Anatolien, dem Iran und dem Kaukasus. Wesel 1986, S. 60 f (Islam. Mus. Berlin) *** BALPINAR, BELKIS & HIRSCH, UDO, Flachgewebe des Vakiflar-Museums Istanbul. Wesel 1982, Tf. 16

    Veröffentlicht:
    MELLAART, JAMES & HIRSCH, UDO & BALPINAR, BELKIS, The Goddess from Anatolia. Adenau 1989, Vol. 1, S. 91, Nr. 15 *** VOK, IGNAZIO, Vok Collection. Anatolia. Kilims und andere Flachgewebe aus Anatolien. (Text: Udo Hirsch) München 1997, Nr. 28

    • Lot94
    • HerkunftSüdostkaukasus, Region Baku - Lenkoran
    • Abmessungen298 x 136 cm
    • Alter2. H. 19. Jh.
    • Schätzpreis EUR5.000 - 6.000
    Sammlung VOK, Caucasus - Persia 7

    Der farbenfrohe Schlitzkelim stammt aus der Region zwischen Baku und Lenkoran. Von welcher Bevölkerungsgruppe er dort gewebt wurde, läßt sich heute nicht mehr mit Sicherheit feststellen. Wertime & Wright geben für ein analoges Exemplar als Provenienz „Salian“ an. Üblich war für die Gruppe bisher die Bezeichnung „Talisch“. Vier in der Literatur veröffentlichte Vergleichsstücke haben entweder, wie das Vok-Exemplar, eine sehr schmale Bordüre aus reziproken Zacken und Dreiecken, jeweils in Rot und Blau, oder eine breite Hauptbordüre mit Schrägstreifen. - Das Feldmuster des Vok-Kelims besteht aus konzentrischen Rauten, die zu den Feldrändern hin kontinuierlich größer werden, mit zwei vollständigen Rauten auf der Mittelachse sowie sechs halbierten bzw. geviertelten Rauten an den Seiten. Dieselbe Komposition zeigen auch die Exemplare bei Herrmann und Wertime & Wright, während bei den beiden anderen Kelims kleinere Rauten zu einem diagonalen Gittermuster zusammengefügt sind. Der „Grundbaustein“ des Musters ist ein winziges, in der Mitte horizontal in zwei farblich kontrastierende Hälften geteiltes, schrägstehendes Viereck. Diese Motive verbinden sich zu diagonalen Farbbändern, die ineinander greifen und weitere Lesarten ermöglichen. Durch die farbliche Wechselwirkung der sehr präzise gezeichneten, minutiösen, geometrischen Formen entsteht ein beeindruckend komplexes Gesamtbild. Da solche Kelims ohne Vorlage gewebt wurden, kann man die künstlerische Leistung nur bewundern. - Leichte Gebrauchspuren, kleine Löcher und einige Randschäden, insgesamt aber gut erhalten.

    Vergleich:
    HERRMANN, EBERHART, Asiatische Teppich- und Textilkunst 4. München 1992, Nr. 52 *** WRIGHT, RICHARD & WERTIME, JOHN, Caucasian Carpets & Covers. The Weaving Culture. London 1995, Tf. XIII, S. 88 *** PLÖTZE, KARL-MICHAEL, Welt der Kelims. Barsinghausen 2001, Nr. 34 *** SADIGHI NEIRIZ, HAMID & HAWKES, KARIN, Kelims und andere Flachgewebe aus der Sammlung Neiriz. Calbe o. J. (2014), Nr. 30

    Veröffentlicht:
    VOK, IGNAZIO, Vok Collection. Caucasus-Persia. Gilim und andere Flachgewebe. (Text: Hamid Sadighi) München 1996, Nr. 7 *** SADIGHI NEIRIZ, HAMID & HAWKES, KARIN, Kelims und andere Flachgewebe aus der Sammlung Neiriz. Calbe o. J. (2014), Nr. 31

    • Lot95
    • HerkunftSüdwestpersien, Provinz Khuzestan
    • Abmessungen380 x 142 cm
    • AlterEnde 19. Jh.
    • Schätzpreis EUR2.500 - 3.300
    Sammlung VOK, Caucasus - Persia 64

    Schuschtar-Kelims sind eine eigenständige und unverwechselbare Gruppe. Sie wurden von Bachtiari-Nomaden in der Region um die Stadt Schuschtar hergestellt, die an den südlichen Ausläufern der Zagros-Gebirgskette liegt. Schuschtar-Kelims sind meistens grob gewebt, in der Technik mit doppelt verhängten Schüssen bei der Schlitze vermieden werden und weich in der Textur. Für einen dauernden Gebrauch auf dem Boden waren sie nicht vorgesehen, sondern wurden vermutlich als Sofrehs (Eßtücher) verwendet. Typische Merkmale sind der breite, musterfreie Außenrand in hellem Braun, in den getreppte Spitzen hineinragen, und eine Hauptbordüre aus reziproken Zinnen. Insofern erinnern sie an antike Hamadan-Knüpfteppiche, ohne daß ein Zusammenhang nachgewiesen werden kann. Ferner wird hier raffiniert mit dem optischen Schwerpunkt gespielt. Formuliert das weiße Gitter auf blauer Grundfarbe den Vordergrund oder ist der Kelim weißgrundig mit blauen Oktogonen? Zu dieser Ambivalenz leisten die kleinen Rauten einen weiteren Beitrag, hell im Inneren mit dunklerer Kontur und einer Anordnung sowohl vertikal/horizontal wie auch in der Diagonale. Bemerkenswert ist der schmale, geometrische Streifen aus Pfeilmotiven um das Innenfeld, dessen Zeichnung man sonst bei anderen Stämmen wahrnimmt. Jedes der 130 Felder schließt ein rotes, innen blaßgrünes Stufenpolygon ein. Ein fast identischer Kelim, mit gleicher Komposition und gleichem Format, wurde 1980 von Petsopoulos publiziert. - Leichte Gebrauchsspuren, einige Flecken und kleine Löcher. Zwei Fehlstellen am oberen, rechten Rand. Insgesamt guter Zustand.

    Vergleich:
    PETSOPOULOS, YANNI, Der Kelim. Ein Handbuch. München 1980, Nr. 359 *** WILLBORG, PETER, Woven Magic. Stockholm 1992, Nr. 69

    Veröffentlicht:
    VOK, IGNAZIO, Vok Collection. Caucasus-Persia. Gilim und andere Flachgewebe. (Text: Hamid Sadighi) München 1996, Nr. 64

    • Lot96
    • HerkunftZentralasien, Südwest-Usbekistan
    • Abmessungen226 x 173 cm
    • Alter1. H. 19. Jh.
    • Schätzpreis EUR25.000 - 30.000
    Sammlung VOK, Suzani 1, 19

    Die Hochzeit spielte im Leben der zentralasiatischen Völker eine Hauptrolle. Auf dieses wichtige Ereignis bereitete sich die Braut jahrelang vor. In Usbekistan wurde von der Braut erwartet, daß sie als Aussteuer eine Anzahl von Susanis unterschiedlicher Formate mit in die Ehe einbrachte. Diese waren Statusobjekte und wurden von ihr selbst und den anderen Frauen der Familie mit größter Sorgfalt angefertigt. Die Muster und Motive auf den Stickereien werden vom uneingeweihten westlichen Betrachter als Flächendekoration in prächtigen Farben wahrgenommen, aber tatsächlich sind sie Träger von verschlüsselten Botschaften und haben eine tiefe symbolische Bedeutung. In ihnen manifestieren sich, oft in verborgener, uns nicht mehr zugänglicher Form, Wünsche, Hoffnungen und Erwartungen: nach Glück, nach Gesundheit, einem langen Leben und auch nach Fruchtbarkeit, denn letzteres war für das Weiterleben der Stämme von größter Bedeutung. - Bei diesem farbenprächtigen Exemplar, das an der Sticktechnik mit Kanda Khayol- Flächenstichen, dem Kolorit und am Stil der Ornamente sofort als Arbeit aus Shakhrisyabz zu erkennen ist, beherrschen vier riesige Blütenbäume, welche diagonal in die Feldecken hineinlaufen, die Komposition. Ihr Ausgangspunkt, ein Achtpaß-Medaillon mit einbeschriebener, blütenbesetzter Sternform und zentraler, roter Kreisblüte, tritt nicht hervor. Das Feldmuster wurde früher immer mit Nurata assoziiert, war aber ubiquitär und wurde in verschiedenen Stickereizentren verwendet, wofür diese Susani den besten Beweis liefert. Bemerkenswert und besonders attraktiv ist hier die sehr frei und großzügig gezeichnete Hauptbordüre, in der dunkelgrüne, gezackte Diagonalblätter eine Ranke bilden, mit fächerförmigen, leuchtend roten Blüten, die an zierlichen Stengeln sitzen. Der schwungvolle Verlauf und die tanzende Leichtigkeit der Blüten summieren sich zu einem faszinierenden Rhythmus. - Kleine restaurierte Stellen im Grundgewebe, insgesamt sehr guter Zustand. Mit Leinwand hinterlegt.

    Vergleich:
    TSCHEPELEWEZKAJA, G.L. & SUCHAREWA, O.A., Susani Usbekistans. Hamburg 1991, Nr. 33, S. 123 *** RIPPON BOSWELL, A 59, 16. November 2002, # 87

    Veröffentlicht:
    VOK, IGNAZIO, Vok Collection. Suzani. Eine textile Kunst aus Zentralasien. (Text: Jakob Taube) München 1994, Nr. 19

    • Lot97
    • HerkunftNordostanatolien, Siran bei Gümüsane
    • Abmessungen139 x 160 cm
    • AlterEnde 19. Jh.
    • Schätzpreis EUR3.000 - 3.700
    Sammlung VOK, Anatolia 7

    In den Häusern der anatolischen Dörfer wurden alle möglichen Gegenstände in Wandnischen aufbewahrt, die somit die Funktion von Schränken hatten. Vor den Nischen hingen meistens kleinformatige Kelims als Schmuck und Schutz. Dieser grob gewebte Kelim mit hellen Farben und einer sehr breiten Bordüre, gearbeitet in einem überquadratischen Format, ist ein solcher Nischenvorhang. Nach Hirsch stammt er aus der Ortschaft Siran bei Gümüsane im Nordosten der Türkei. - Eine seegrüne, spitzgieblige Mihrabform mit unregelmäßig gezackten Seiten füllt den unteren Bereich des blaßgelben Innenfeldes. Bis auf eine rote Zackenlinie und zwei Kamm-Motive ist das Innere der Nische leer. Im oberen Bereich des Innenfeldes bilden Kreuze und Stufenpolygone ein aufsteigendes Muster. Früher wurden Kelims mit dieser Ikonographie immer als Gebetskelims bezeichnet. Das Vorkommen einer Nische ist jedoch kein zwingender Beweis für eine solche Verwendung. Als zentrales, religiöses Symbol der islamischen Religion kommt die Mihrabform in unterschiedlichem Kontext vor, sowohl mit ikonographischer wie auch ikonologischer Relevanz. In orientalischen Wandteppichen dürften Nischen eine ähnlich zeichenhafte Bedeutung als Glaubensbekenntnis gehabt haben wie die christlichen Kreuze, die früher in den Häusern des Abendlandes an den Wänden hingen. - Drei Ecken sind restauriert, sonst guter Zustand.

    Vergleich:
    BAUSBACK, PETER, Kelim. Antike orientalische Flachgewebe. Mannheim & München 1983, Tf. 72

    Veröffentlicht:
    VOK, IGNAZIO, Vok Collection. Anatolia. Kilims und andere Flachgewebe aus Anatolien. (Text: Udo Hirsch) München 1997, Nr. 7

    • Lot98
    • HerkunftWestliches Zentralanatolien
    • Abmessungen320 x 177 cm
    • Alter19. Jh.
    • Schätzpreis EUR3.000 - 3.800
    Sammlung VOK, Anatolia 32

    Dieser in einem Stück gewebte Kelim mit horizontalen Streifen stammt aus einem Yerli-Dorf im Umkreis von Afyon. Die Ureinwohner der phrygischen Hochebene weben Kelims mit solchen Mustern schon seit Jahrhunderten. In den neun breiten Bahnen sind große "Parmakli" (türkisch: Finger)-Motive in alternierenden Farben (Rot, Orange, Weiß, Grün und Blau) aufgereiht, die mit dem erdbraunen Grund ein reziprokes Wechselspiel eingehen. Ihre Konturen sind durch teils bogenförmig geführte Schüsse betont. Zwischen den Musterbahnen stehen schmale, einfarbige Trennstreifen. Die Musterbahnen enthalten entweder sieben vollständige oder sechs vollständige und zwei von den Seitenrändern überschnittene Primärmotive in einer farblich versetzten Anordnung. Hierdurch entsteht der Eindruck, daß sich das Muster über die Seitenränder hinaus ins Unendliche fortsetzt. Dieser Effekt wird durch das Fehlen von seitlichen Bordüren unterstrichen. Die Weberin hat die Farben der Primärmotive so gewählt, daß sich steile farbdiagonale Reihen ergeben. - Hirsch schreibt, daß Parmakli-Kelims keine Kultobjekte waren, sondern im täglichen Gebrauch als Bodenteppiche, Decken oder zum Einwickeln von Gegenständen verwendet und entsprechend abgenutzt wurden. Das erklärt, warum nur wenige antike Exemplare überliefert sind. - Alters- und Gebrauchsspuren. Mehrere nachgewebte Stellen vor allem in den Seitenbereichen und am unteren Abschluß.

    Vergleich:
    ESKENAZI, JOHN J., Kilim. Mailand 1980, Nr. 6 *** COOTNER, CATHRYN & MUSE, GARRY, Anatolian Kilims. The Caroline & H. McCoy Jones Collection. San Francisco-London 1990, Nr. 57 *** RIPPON BOSWELL, FFM 24, Auktion 15. November 1986, # 126

    Veröffentlicht:
    MELLAART, JAMES & HIRSCH, UDO & BALPINAR, BELKIS, The Goddess from Anatolia. Adenau 1989. Vol. I, Tf. VII, Nr. 4, S. 29 *** VOK, IGNAZIO, Vok Collection. Anatolia. Kilims und andere Flachgewebe aus Anatolien. (Text: Udo Hirsch) München 1997, Nr. 32