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Orient Stars 2

Samstag 02. Oktober 2021 um 18 Uhr

98 Lots
  • Orient Stars 2

    Die vom Ehepaar E. Heinrich und Waltraut Kirchheim aufgebaute Sammlung "Orient Stars" ist eine der bedeutendsten Teppichsammlungen der Welt. Konsequent auf kunst- und kulturhistorisch wichtige Objekte ausgerichtet, konkurriert sie mit den Beständen der großen Museen. Im Sommer 1993, anläßlich der 7. Internationalen Orientteppich-Konferenz in Hamburg, wurde die damals 218 Stücke umfassende Sammlung in den Deichtorhallen zum ersten Mal vollständig ausgestellt. Gleichzeitig erschien die prachtvolle Publikation "Orient Stars. Eine Teppichsammlung.", die zu einem Meilenstein der Teppichliteratur geworden ist. Von Hamburg zog die Ausstellung weiter nach Stuttgart, wo sie zwei Monate lang im Linden-Museum zu sehen war.

    Die Veröffentlichung ihrer Teppichschätze markierte für die Kirchheims einen Höhepunkt in ihrem Sammlerleben, war aber auch eine Zäsur und ein Abschied von den Teppichgruppen, denen am Anfang ihr Interesse gegolten hatte. Das waren zuerst, wie bei so vielen Sammlern, kaukasische Teppiche des 19. Jahrhunderts gewesen. Der Kauf des "Bellini"-Teppichs im Jahr 1986, von Heinrich Kirchheim zuerst als "Seitensprung" kommentiert, erwies sich als folgenschwere Entscheidung, denn er öffnete den Kirchheims das Tor zur faszinierenden Welt der historischen Teppiche Anatoliens. In Richtung dieses neuen Sammelgebietes, das die vorherigen Vorlieben ablöste, wurde die Sammlung nun weiter ausgebaut. Die Kirchheims erwarben anatolische Kelims und Dorfteppiche der sogenannten „gelben Gruppe“. Die Ausstellung der Sammlung des amerikanischen Architekten Christopher Alexander im Jahr 1990, mit frühen, überwiegend fragmentarisch erhaltenen Teppichen, übte auf Heinrich Kirchheim großen Einfluß aus. Ein Paradigmenwechsel kündigte sich an. Im September 1991 lud Michael Franses, den die Kirchheims auf der TEFAF Messe in Maastricht kennengelernt hatten, das Ehepaar zu einer Museumsreise nach Istanbul ein. Nazan Ölçer, damals Direktorin des Museums für türkische und islamische Kunst in Istanbul, ermöglichte die Besichtigung der besten und ältesten Stücke des Museums. Auch das Vakiflar Museum sowie das Topkapi Museum öffneten ihre Depots. Diese Reise mit den intensiven Eindrücken von frühen türkischen Teppichen beeindruckte die Kirchheims stark und wurde zum entscheidenden Wendepunkt. Von nun an richtete sich der Fokus der Sammeltätigkeit auf frühe anatolische Stammesteppiche und die Kirchheims begaben sich auf die Suche nach den besten und frühesten Exemplaren, die noch erhältlich waren oder gelegentlich neu auftauchten. Während die Vorbereitungen für das Buch und die Ausstellungen in Hamburg und Stuttgart liefen, zeichnete sich für Heinrich Kirchheim, der rastlos weiter auf der Jagd nach neuen Trouvaillen war, bereits der Plan einer zweiten Ausstellung im Museum für islamische Kunst Berlin und einer zweiten Publikation mit den zum Teil spektakulären Neuerwerbungen ab. Michael Franses hatte ihm schon damals zugesagt, ein zweites Buch zu schreiben.

    Nach den großen Ereignissen von 1993 begannen die Kirchheims mit einer Neuausrichtung ihrer Sammlung. Sie mußten entscheiden, welche Stücke absolut unentbehrlich waren und von welchen sie sich wieder trennen wollten. Zuerst erhielten einige Museen großzügige Schenkungen: Das Linden-Museum in Stuttgart, das Museum für Islamische Kunst in Berlin und das Museum Schloss Rheydt in Mönchengladbach. Sechs frühe anatolische Teppiche wurden als Leihgaben an das Metropolitan Museum in New York gegeben und waren dort von 1993/94 bis 2012 ausgestellt. Dann wurde beschlossen, einen größeren Teil der Sammlung versteigern zu lassen. Unsere Auktion „Orient Stars“, mit 88 Teppichen, Kelims, Seidenstickereien und anderen Textilien, fand vor 22 Jahren, am 2. Oktober 1999 statt. Den höchsten Zuschlag von 290.000 DM erzielte damals der berühmte Stern-Kazak Typ A. Der Erlös der Versteigerung wurde in Zukäufe investiert. Diverse Stücke, die zwar in „Orient Stars“ publiziert sind, aber nicht in diesem Katalog der zweiten Auktion, wurden privat veräußert, um den Erwerb der 32 Objekte, die ab 1993 angekauft wurden, zu finanzieren.

    Private Kunstsammlungen sind nicht statisch, sondern dynamisch. Sie spiegeln die wechselnden Perspektiven ihrer Besitzer wider und sind das Abbild eines Entwicklungsprozesses. So hat auch die Sammlung Orient Stars nach 1993 einen anderen Charakter angenommen. Bei den Neuerwerbungen, die im neuen Buch von Michael Franses fast alle zum ersten Mal veröffentlicht werden, handelt es sich überwiegend um Fragmente sehr alter und seltener Stammesteppiche aus Anatolien. Die etablierten "Klassiker" unter den anatolischen Teppichen, jene traditionell nach Europa exportierten Lehrbuchtypen der osmanischen Epoche, faszinierten Heinrich Kirchheim nicht mehr. Die Suche nach den Ursprüngen führte ihn zu den Stammesteppichen der Nomaden mit ihren uralten Mustern. Manche Exemplare tauchten in der Türkei auf, andere an so entlegenen Orten wie Tibet, wo sie in Klöstern die Jahrhunderte überdauert hatten. So wurde Heinrich Kirchheim zum Protagonisten einer neuen Lehre. Vom einmal eingeschlagenen Weg gab es kein Zurück. Sein Chefberater war mittlerweile Michael Franses. Eine größere Gruppe früher anatolischer Stammesteppiche erwarb Heinrich von Garry Muse, der auch schon vorher wichtige Stücke an die Kirchheims verkauft hatte. Weitere Stücke stammen von anderen Kunsthändlern oder aus Auktionen. Insgesamt besteht die Sammlung jetzt aus 95 Stücken. Der sensationelle "Gesichter"-Teppich, Nr. 218 im ersten Buch, ist der älteste, uns bekannte anatolische Teppich aus der islamischen Epoche. Die C 14 Datierung der ETH Zürich beweist seine Entstehung im Zeitraum zwischen 1050 bis 1200. Er ist und bleibt das pièce de résistance der Sammlung.

    Heinrich Kirchheims früher Tod im Jahr 2006 setzte seinen weiterführenden Plänen ein jähes Ende. Die Ausstellung in Berlin fand nicht mehr statt, das Projekt einer zweiten Publikation ruhte. Als sich die Familie Kirchheim im Jahr 2019 entschloß, die Sammlung versteigern zu lassen und uns den Auftrag dafür erteilte, haben wir sofort mit Michael Franses, der die Sammlungsbestände kennt wie kein anderer, eine enge Kooperation vereinbart. Auf Wunsch der Erben begann Michael mit den Arbeiten am zweiten Buch und erfüllte damit ein altes, seinem Freund Heinrich gegebenes Versprechen. Im Buch „Orient Stars 2“, das in Format und Aufmachung identisch ist mit der ersten Publikation, werden 75 Stücke der Sammlung entweder erstmals oder erneut veröffentlicht und ausführlich nach dem heutigen Forschungsstand besprochen. Es wird im September 2021 erscheinen.

    In unserer Auktion „Orient Stars 2“ werden alle 95 Teppiche und andere Textilien sowie drei seltene Fachbücher über historische Teppiche angeboten. Unsere Katalogbeschreibungen der Objekte sind entweder Zitate aus den Besprechungen im Buch „Orient Stars 2, als solche kenntlich gemacht durch (MF = Michael Franses) oder unsere eigenen Beschreibungen, kenntlich gemacht durch (DM = Detlef Maltzahn), die sich allerdings sinngemäß an Michaels Vorgaben halten, auch bezüglich der von ihm vorgenommenen Angaben zu Alter, Herkunft und Ikonographie. Um im Katalog nicht ständig die vollständigen Titel der beiden Publikationen oder die vollständigen Angaben zu den Ausstellungsdaten wiederholen zu müssen, werden Abkürzungen verwendet:

    OS 1 = Kirchheim, E. Heinrich (Hrsg.), Orient Stars. Eine Teppichsammlung. Stuttgart und London 1993
    OS 2 = Franses, Michael, Orient Stars II. A Carpet Collection. London 2021

    Die vollständigen Angaben zu den Ausstellungen in Museen lauten:

    Hamburg, Deichtorhallen, “Orient Stars“. 6. Mai bis 20. Juni 1993
    Stuttgart, Linden-Museum, „Orient Stars“. 3. Juli bis 29. August 1993
    New York, Metropolitan Museum of Art, 1993/94 bis 2020 (Ausleihe von sechs Stücken)
    Osaka, National Museum of Ethnology, “Jutan, Woven Flowers of the Silk Road”, 1994
    Mönchengladbach, Museum Schloss Rheydt, „Orient Stars“, September 1995
    Istanbul, Museum für türkische und islamische Kunst, „Early Turkish Carpets from the 13th to the 18th Centuries“. 26. September bis 12. November 1996
    Köln, Museum für Ostasiatische Kunst. „Glanz der Himmelssöhne“.15. Oktober 2005 bis 16. Januar 2006
    Mailand, Pinacoteca di Brera, “Crivelli e Brera”, 26. November 2009 bis 28. März 2010

    Detlef Maltzahn
    Wiesbaden, September 2021

    • Lot1
    • HerkunftOstkaukasus
    • Abmessungen148 x 107 cm
    • Alter18. Jh.
    • Schätzpreis EUR7.000 - 9.000

    Der kleine rotgrundige Teppich aus dem Schirwan-Gebiet fällt durch sein ungewöhnliches und sehr seltenes Muster auf, das offensichtlich ohne direkte Nachfolger geblieben ist. Vier große vertikale Kartuschen mit weißen Umrahmungen beherrschen die Feldecken. Vor ihrem nachtblauen Grund hebt sich die spiegelsymmetrische Innenzeichnung mit weißen, totemistisch anmutenden Ornamenten, die vielleicht Tier-Baum-Symbole sind, prägnant ab. Dazwischen liegen in der Feldmitte fünf Oktogone und zwei schlanke, nachtblaue Balken, die mit ihren oben dreieckig zugespitzten Enden an Obelisken erinnern und auf das Oktogon im Feldzentrum ausgerichtet sind. Vier kleine Vögel und mehrere Botehs ergänzen das Hauptmuster. Kleine hexagonale Kartuschen in wechselnden Farben, deren innere Hakenformen vielleicht Tiersymbole sind, füllen, wie an einer Schnur aufgereiht, die weiße Hauptbordüre. Sehr fein geknüpft und mit minutiös gezeichneten Details dürfte dieser einzigartige Teppich im 18. Jahrhundert entstanden sein. Die Bedeutung seines Musters wurde noch nicht entschlüsselt, könnte aber mit älteren Gartenteppichen in Verbindung stehen. (DM)


    Ausstellung: Hamburg Deichtorhallen 1993; Stuttgart, Linden-Museum 1993


    Veröffentlicht:
    RIPPON BOSWELL, A 30, 18. November 1989, Lot 101 *** OS 1, Nr. 24

  • Gelbgrundiger Kuba mit Gartenmuster

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    • Lot2
    • HerkunftOstkaukasus
    • Abmessungen145 x 98 cm
    • Altervor 1800
    • Schätzpreis EUR8.000 - 10.000

    Dieser bildschöne Kuba ist erstmals 1978 von der Galerie Eberhart Herrmann veröffentlicht worden (SOT, Nr. 37). Als Leihgabe aus der Sammlung Kirchheim war er 1985 bei der Ausstellung „Alte Orientteppiche“ im Münchener Völkerkundemuseum zu sehen und wurde im Begleitbuch von Martin Volkmann erneut publiziert (Nr. 64). Danach wurde er 1993 in den Hamburger Deichtorhallen und im Stuttgarter Lindenmuseum ausgestellt. – Weniger als zehn Exemplare dieser seltenen Gruppe früher kaukasischer Dorfteppiche mit goldgelbem Feld und schwarzgrundiger Bordüre sind uns überliefert. Sie zeigen so weitgehende Ähnlichkeiten in Bezug auf ihre Feld- und Bordürenmuster, das Kolorit und die Abmessungen, daß man genau hinsehen muß, um die Unterschiede zu erkennen. In der vor-kommerziellen Periode, also vor 1850, hatten die oft isoliert liegenden Dörfer und die Stammesgemeinschaften ihre eigenen Mustertraditionen, die über viele Generation hinweg unverändert blieben. Das an Gartenteppiche erinnernde Feldmuster ist ein unendlicher Rapport aus versetzt gereihten Baumformen, Blüten und kleineren Motiven, gezeichnet im geometrischen Stil des Kaukasus. In der Organisationsform und unter dem Deckmantel einer floralen Komposition begegnet uns ein ganzer Kosmos von mythologischen Tierfiguren und Piktogrammen in unterschiedlichen Verschlüsselungsgraden. Das gilt auch für die nur scheinbar florale Ornamentik der weißen Ranke in der Hauptbordüre. – Die Tatsache, daß sich in der Sammlung Albert Figdor schon vor 1930 ein solches Stück befand, zeigt, daß wahre Kenner früh die Schönheit und den künstlerischen Wert dieser farbenprächtigen Kuba-Teppiche erkannt hatten. (DM)


    Ausstellung: München, Völkerkundemuseum, 1978; Hamburg Deichtorhallen 1993; Stuttgart, Linden-Museum 1993


    Vergleich:
    FALKE, OTTO VON (Hrsg.), Die Sammlung Dr. Albert Figdor - Wien. Erster Teil. Versteigerungskatalog Artaria & Co., Glückselig G.M.B.H. Wien & Paul Cassirer, Berlin. Wien-Berlin 1930, Nr. 190 *** TKF-WIEN (Hrsg.), Antike Orientteppiche aus österreichischem Besitz. Wien 1986, Nr. 58 *** HERRMANN, EBERHART, Seltene Orientteppiche IX. München 1987, Nr. 34 *** RIPPON BOSWELL, A 35 Slg. Dominguez, 28. März 1992, Lot 146; A 38, 15. Mai 1993, LOt 160

    Veröffentlicht:
    HERRMANN, EBERHART, Von Lotto bis Tekke. Seltene Orientteppiche aus vier Jahrhunderten. München 1978, Nr. 37 *** VOLKMANN, MARTIN (Hrsg.), Alte Orientteppiche. Ausgewählte Stücke deutscher Privatsammlungen. München 1985, Nr. 64 *** OS 1, Nr. 27

    • Lot3
    • HerkunftSüdwest-Kaukasus
    • Abmessungen291 x 161 cm
    • Alter19. Jh.
    • Schätzpreis EUR3.000 - 4.000

    Als Heinrich Kirchheim mit dem Sammeln von Teppichen begann, faszinierten ihn besonders die dörflichen Arbeiten aus dem Kaukasus. Dieser seltene Bordjalou-Kazak, den er 1986 bei Nagel in Stuttgart ersteigerte, war immer eines seiner Lieblingsstücke, weil der Teppich mit seinem verspielten Muster in sehr schönen, leuchtenden Farben eine so fröhliche Ausstrahlung besitzt. Im roten Feld sind große, in acht Segmente unterteilte Rosetten scheinbar zwanglos und schwebend leicht angeordnet. Kleine, ebenfalls aus acht Segmenten bestehenden Rosetten füllen die Räume zwischen den Primärornamenten. In der oberen linken Ecke sehen wir eine kleine, stark abstrahierte Figur, welche die Arme ausbreitet. Die Knüpfstruktur und die Bordürengestaltung aus drei Borten gleicher Breite mit reziproken Zinnen, in unterschiedlichen Farbkombinationen, sind typische Merkmale der Bordjalou-Kazaks. Ein anderes Exemplar der Gruppe wurde von Schürmann publiziert. (DM)


    Ausstellung: Hamburg Deichtorhallen 1993; Stuttgart, Linden-Museum 1993


    Vergleich:
    SCHÜRMANN, ULRICH, Caucasian Rugs. Ramsdell 1974, Nr. 9

    Veröffentlicht:
    NAGEL Stuttgart, 317. Auktion, 10. Dezember 1986, Lot 4250 *** OS 1, Nr. 29

    • Lot4
    • HerkunftOstkaukasus, Kuba-Schirwan
    • Abmessungen283 x 148 cm
    • Alterum 1800, oder früher
    • Schätzpreis EUR10.000 - 12.000

    Die Herstellung von Flachgeweben in der Sumahk-Technik (deutscher Begriff: kehrseitiges umschlingendes Wickeln) hatte im Süden und Osten des Kaukasus vermutlich eine lange Tradition, aber wie weit diese zurückreicht, wissen wir nicht. Die ältesten erhaltenen Beispiele werden meistens ins 18. Jahrhundert datiert. In Bezug auf ihre Muster und Ornamente haben Sumakhs keine grundsätzlich andere Formensprache als die Knüpfteppiche der Regionen, in denen sie entstanden, nur der Zeichenstil ist, bedingt durch die Technik, ausgesprochen geometrisch. - Dieser eindrucksvolle Sumakh, gewebt in einem langen Format, gehört zu den frühen Exemplaren aus der Zeit um 1800 oder davor. Er ist sehr fein gewebt, mit vielen sorgfältig ausgearbeiteten Details, und beeindruckt durch sein reiches Farbspektrum. In der Mitte des Feldes bilden fünf große Lesghi-Sterne in zwei unterschiedlichen Farbstellungen einen Motivbalken auf schwarzbraunem Grund, dessen seitliche Freiräume dicht mit Baummotiven und kleinen Ornamenten gefüllt sind. Das umliegende rote Feld wird von Hakenformen und Blüten dicht bedeckt, die sich quasi als Schutzwall um die Sterne legen. In der schwarzbraunen Hauptbordüre verläuft eine Ranke im Zickzack um Formen, die als halbierte Polygone oder als Tierabstraktionen gesehen werden können. Die Feinheit des Gewebes, stilistische Merkmale und die Farben sprechen dafür, daß dieser Sumakh aus dem Kuba-Schirwan-Gebiet stammt. (DM)


    Ausstellung: Hamburg Deichtorhallen 1993; Stuttgart, Linden-Museum 1993


    Veröffentlicht:
    OS 1, Nr. 31

    • Lot5
    • HerkunftSüdostkaukasus, Moghan-Savalan
    • Abmessungen300 x 207 cm
    • Alter2. H. 19. Jh.
    • Schätzpreis EUR5.000 - 7.000

    Die große, an einem Stück gewebte Decke ist bei einer Stammesgruppe der Moghan-Schahsavanen entstanden. Ihr Muster besteht aus verschiedenfarbigen Querstreifen unterschiedlicher Breite, aus deren Anordnung sich der Rhythmus der Komposition ergibt. Die hellgelben Streifen unterteilen die Fläche in fünf Abschnitte. - Bei der Mehrzahl vergleichbarer Schahsavan-Kelims sind die Streifen leere Farbflächen, also nicht gemustert. Umso mehr fällt bei diesem aufwendig gearbeiteten und sehr fein gewebten Exemplar die dichte Bestickung der schmaleren Streifen mit kleinteiligen Ornamentbändern auf. In den breiteren, abwechselnd roten und blauen Streifen sind vierbeinige Tiere dargestellt, außerdem einige Vögel und Hexagone, die aus Kreuzen zusammengesetzt sind. Solche narrativen Bildelemente finden sich oft in den Flachgeweben der Schahsavanen. - Die Decke war 1990 bei der 6. ICOC in San Francisco, ausgestellt und wurde im Begleitbuch "Pacific Collections" publiziert. Zwei Jahre später hat Heinrich Kirchheim sie in unserer Auktion A 35 "Sammlung Viola Dominguez" erworben, danach im Buch "Orient Stars"  veröffentlicht. 1993 wurde sie bei der 7. ICOC in den Hamburger Deichtorhallen ausgestellt. (DM)


    Vormals / Formerly: Viola Dominguez, Santa Monica

    Ausstellung / Exhibited: 6. ICOC San Francisco 1990; Hamburg Deichtorhallen 1993; Stuttgart, Linden-Museum 1993


    Veröffentlicht:
    EILAND, MURRAY L., Oriental Rugs From Pacific Collections. San Francisco 1990, Nr. 64 *** RIPPON BOSWELL, A 35 Slg. Dominguez, 28. März 1992, Lot 32 *** OS 1, Nr. 33

    • Lot6
    • HerkunftSüdostkaukasus, Moghan-Savalan
    • Abmessungen44 x 47 cm
    • AlterMitte 19. Jh.
    • Schätzpreis EUR500 - 700

    Schmalseite einer Schahsavan-Transport- oder Aufbewahrungstasche (Mafrasch) aus der Region Moghan-Savalan, gewebt in feiner Sumakh-Technik. Das typische Muster mit drei horizontalen Streifen zierte alle vier Seiten der Mafrasch, war also ein umlaufender Rapport. Die beiden Längsseiten und der Kelimboden wurden in einem Arbeitsgang hergestellt. Verschachtelte Hakenrauten in versetzter Anordnung füllen die mittlere Bahn. Nach Andrews/Wertime war dieses prägnante, "Gara Giynakh" genannte Ornament bei den Geyiklu und Talesh Mikayllu-Stammesgruppen im Moghan-Gebiet verbreitet. Die beiden goldgelben Streifen sind als Tierfries gestaltet, mit einer Prozession aus jeweils vier, abwechselnd roten und blauen Pfauen, die nach rechts ausgerichtet sind. (DM)


    Auf Leinwand aufgenäht, Montage auf einem Holzrahmen. Mounted on canvas and attached to a wooden frame

    Ausstellung / Exhibited: Hamburg Deichtorhallen 1993; Stuttgart, Linden-Museum 1993


    Vergleich:
    HERRMANN, EBERHART, Kaukasische Teppichkunst im 19.Jahrhundert. München 1993, Nr. 34 a *** WERTIME, JOHN T., Sumak Bags of Northwest Persia & Transcaucasia. London 1998, Nr. 60

    Veröffentlicht:
    OS 1, Nr. 38

    • Lot7
    • HerkunftSüdostkaukasus, Moghan-Savalan
    • Abmessungen40 x 43 cm
    • AlterMitte 19. Jh.
    • Schätzpreis EUR400 - 500

    Zwei Fragmente aus Schahsavan-Flachgeweben sind hier zu einer Tasche mit oberem Tragegriff zusammengefügt worden. Die in sehr feiner Sumakh-Technik gewebte Vorderseite mit einem seltenen Rapportmuster aus versetzt gereihten, geometrisch abstrahierten Palmetten auf nachtblauem Grund ist deutlich älter als die Rückseite, die aus einem Streifenkelim oder aus einer Mafrasch stammt. Die ursprünglich vorhandene Bordüre der Vorderseite fehlt heute. Es ist etwas verwirrend, daß die Tasche im Buch "Orient Stars" mit zwei Nummern aufgeführt ist, denn Vorder- und Rückseite sind zusammengenäht und bilden eine Einheit. (DM)


    Ausstellung / Exhibited: Hamburg Deichtorhallen 1993; Stuttgart, Linden-Museum 1993


    Veröffentlicht:
    RIPPON BOSWELL, A 30, 18. November 1989, Lot 131 *** OS 1, Nrn. 39/40

  • Aserbaidschanische Seidenstickerei

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    • Lot8
    • HerkunftNordwestpersien, Aserbaidschan, Täbriz
    • Abmessungen73 x 75 cm
    • Alter1650 - 1750
    • Schätzpreis EUR6.000 - 8.000

    Seidenstickerei in diagonalen Flachstichen (darning stitch) und Kettenstichen für die Konturen. Das netzartig durchbrochene Baumwoll-Grundgewebe des Innenfelds wurde nicht vollständig bestickt. Hier heben sich die gemusterte Partien plastisch vom Grund ab. Das zarte Kolorit mit Pastellfarben (Mittel- und Hellblau, Altrosé, Jadegrün, Ockergelb, Beige, Weiß) sowie drei Brauntönen und schwarzen Konturen ist charakteristisch für diese Gruppe antiker aserbaidschanischer Textilien, für die Schürmann die Bezeichnung „Surahani“ geprägt hatte. Er nahm an, daß es sich um kaukasische Arbeiten aus Baku, der großen Küstenstadt im russischen Teil von Aserbaidschan, handelte. Dem widerspricht die neuere Forschung. Man geht heute davon aus, daß die Stickereien aus Täbriz im nordwestpersischen Aserbaidschan stammen. – Quadratische Seidenstickereien mit diesen Abmessungen waren Einschlagtücher für die persönlichen Utensilien der Frauen. Sie werden, wie die vergleichbaren Tücher aus Anatolien, "Bokçe“ genannt. Ihre Muster zeigen eine Fülle unterschiedlicher Kompositionen. Hier beherrscht ein großer achtstrahliger Stern mit dunkelbraunem Grund und innerem weißem Oktogon, von dem radial acht Pfeile ausgehen, das Innenfeld. Er ist von einer Ranke aus geometrischen Motiven umringt. Vier hellblaue Kartuschen füllen die Seitenbereiche, in den Ecken liegen angeschnitten dargestellte Oktogone, die einen Stern umschließen. Die Bordüre ist mit Pfeilformen im Wechsel mit Pinwheel-Motiven geschmückt. In der Idee ähnliche Kompositionen zeigen eine 1981 von Black/Loveless veröffentlichte und eine 1999 bei der 9. ICOC in Mailand ausgestellte Stickerei. (DM)


    Auf Leinwand aufgenäht, Montage auf einem Holzrahmen, Abdeckung aus Plexiglas. 

    Vormals: Dikran Kelekian, New York; Karekin Beshir, New York; The Textile Gallery London; Galerie Bausback, Mannheim 

    Ausstellung: Hamburg Deichtorhallen 1993; Stuttgart, Linden-Museum 1993


    Vergleich:
    BLACK, DAVID & LOVELESS, CLIVE, Embroidered Flowers From Thrace To Tartary. London 1981, Nr. 13 *** CONCARO, EDOARDO & LEVI, ALBERTO, Sovrani Tappeti. Il tappeto orientale dal XV al XIX seculo. Mailand 1999, Nr. 76

    Veröffentlicht:
    BAUSBACK, PETER, Islamische Stickereien aus vier Jahrhunderten. Mannheim 1985, Tf. 20 *** OS 1, Nr. 45 *** HALI PUBLICATIONS (Hrsg.), Stars of the Caucasus. Silk Embroideries from Azerbaijan. London 2019, Abb. 10.12, S. 206

  • Aserbaidschanische Seidenstickerei

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    • Lot9
    • HerkunftNordwestpersien, Aserbaidschan, Täbriz
    • Abmessungen26 x 56 cm
    • Alter1650 - 1750
    • Schätzpreis EUR1.500 - 2.000

    Die dreieckige Seidenstickerei ist flächendeckend in der Technik mit feinen Stielstichen (stem stitch) gearbeitet. Sie entstand vermutlich in Täbriz. Der Verwendungszweck dieser kleinformatigen Textilien ist nicht bekannt. Das goldgelbe, nur an den beiden Giebelseiten von einer schmalen blauen Rankenbordüre umgebene Feld ist mit geometrisch abstrahierten Blüten in Seitenansicht gefüllt. Sie formieren ein aufsteigendes Muster aus fünf parallelen Reihen, deren Motivanzahl nach oben kontinuierlich abnimmt, bis schließlich eine einzelne Blüte direkt unter der Giebelspitze übrigbleibt. Etwas nach rechts geneigt, scheinen die Blüten, wie vom Wind bewegt, zu schwingen, was der Komposition ihren Ausdruck von Leichtigkeit und rhythmischer Bewegung verleiht. Kleine, abwärts weisende Pfeile zwischen den Blütenreihen vervollständigen das Muster. (DM)


    Mit schwarzem Stoff hinterlegt und auf einer Holzplatte montiert, Abdeckung aus Plexiglas. Backed with a black fabric and mounted on a wooden board, acrylic glass cover

    Ausstellung / Exhibited: Hamburg Deichtorhallen 1993; Stuttgart, Linden-Museum 1993


    Veröffentlicht:
    SOTHEBY'S New York, Auktion 3. Februar 1988, Lot 72 *** OS 1, Nr. 56

  • Rotgrundiger Palmetten Teppich

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    • Lot10
    • HerkunftSüdkaukasus, Karabagh
    • Abmessungen184 x 128 cm
    • Alter1675 - 1750
    • Schätzpreis EUR15.000 - 18.000

    Im leuchtend roten Feld ein Rapportmuster aus neun in Dreierreihen angeordneten Palmetten. Acht der Palmetten sind in Form und Farbe fast identisch. Sie stehen im Inneren einer weißen, Zypressen-artigen Form, deren Seiten tief eingeschnittene, gezähnte Konturen haben. Dieses Motiv findet sich oft auch in den kaukasischen Drachenteppichen. Die neunte Palmette in der Feldmitte ist nicht nur größer als die anderen und unterschiedlich in der Form, sondern auch in ein breites, dunkelbraunes Siebeneck eingelassen. Als Zentralmotiv zieht sofort die Blicke auf sich. Acht kleinere Palmetten, am unteren und oberen Feldende von den Querbordüren überschnitten, und verschiedene Blüten füllen die vom Hauptmuster freigelassenen Flächen. Das Blatt-Kelch-Muster in der schmalen weißen Hauptbordüre war im Kaukasus weit verbreitet. – Nur fünf antike Originale dieser Gruppe sind bekannt, darunter das oft publizierte Exemplar aus der Evangelischen Kirche in Szepsiszentgyörgy, Siebenbürgen (siehe Végh/Layer). Dort wechseln sich die beiden Primärmotive regelmäßig ab und die Musterung ist dichter als beim Kirchheim-Teppich, der durch die Klarheit seiner Komposition herausragt. Teodor Tuduc, der rumänische Meisterfälscher, muß den Palmetten-Teppich in Szepsiszentgyörgy gekannt haben, denn er hat mehrere Kopien davon knüpfen lassen und anschließend als „Originale“ verkauft, wofür ihm die Veröffentlichung einer seiner Fälschungen in dem Buch des fiktiven Autors Dr. Otto Ernst (das selbst eine Fälschung ist) die Geschäftsgrundlage lieferte. (DM)

    Ausführliche Besprechung und kunsthistorische Einordnung von MF in OS 1, S. 91


    Auf Leinwand aufgenäht,

    Vormals: Bergi Andonian, New York

    Ausstellung: Hamburg Deichtorhallen 1993; Stuttgart, Linden-Museum 1993


    Vergleich:
    VÉGH, GYULA & LAYER, KAROLY, Tapis Turcs, provenant des Églises et Collections de Transylvanie. Paris 1925, Tf. XXX *** IONESCU, STEFANO, Handbook of Fakes by Tuduc. Rom 2010, Abb. XX, S. 103

    Veröffentlicht:
    HALI 68, 1993, Abb. S. 100 *** OS 1, Nr. 60 *** FRANSES, MICHAEL, In search of the origins. In: HALI 205, 2020, Abb. S. 88